Bitpanda: Das Einhorn aus Wien mit den vielen Funktionen

Long Story Short

Bitpanda machte Anfang Oktober 2022 auf sich aufmerksam. Nicht mit irgendwelchen Finanzskandalen oder sonstigen Negativschlagzeilen, sondern mit einer positiven Nachricht. Der Geschäftsbericht verkündete ein sattes Wachstum von 764 Prozent, was einer halben Milliarde EUR Umsatz entspricht. Die Frage ist: Kann sich das Fintech-Unternehmen auch in Zeiten des Bärenmarktes so stark behaupten? Und, viel wichtiger: was hat die Kryptobörse Anfängern zu bieten?

Kurzportrait: Gestatten? Bitpanda aus Wien in Österreich

Logo Bitpanda

Erfolgreiche Finanzunternehmen kommen in jüngster Zeit eher seltener aus Europa. Bitpanda sind da eine Ausnahme: 2014 in Wien gegründet, zählt die Börse heute nach eigenen Angaben (Stand 10/22) über 3,5 Millionen Nutzer. Die Exchange, unter dem Namen Coinimal GmbH das erste Mal aufs Parkett getreten, hat sich in den acht Jahren ihres Bestehens gewaltig gemausert: vom kleinen Fintech-Startup zum Broker mit 750 Mitarbeitern. Die Unternehmensstrategie geht jedoch weg von der reinen Krypto-Handelsplattform hin zu einem diversen Angebot. Bitpanda bieten Invests unter anderem in Aktien, ETFs, Edelmetallen oder Rohstoffen an.

Kosten: enthalten bei Käufen und Verkäufen

Die Gebühren unterscheiden sich bei den beiden Angeboten Bitpanda und Bitpanda Pro, der Plattform für Profitrader. Da wir uns an Menschen mit eher geringen Vorkenntnissen wenden, lassen wir das Angebot für Fachleute beiseite.

Bei Käufen berechnet das Unternehmen Gebühren in Höhe von 1,49 %, bei Verkäufen landen 1,29 % in der Kasse des Vermittlers, die direkt verrechnet und deshalb auch nicht ausgewiesen werden. Hier sollte Bitpanda nachbessern, da die meisten Wettbewerber an dieser Stelle transparenter sind. Die Transaktionsgebühren, die auf der Seite für einzelne Kryptos ausgewiesen sind, machen die Sache - zumindest für Krypto-Anfänger - nicht besser bzw. einleuchtender.

Bei SEPA-Überweisungen fallen keine Gebühren an. Wenn Du Deine Kreditkarte nutzt, werden 1,5 %, bei SOFORT Überweisung und bei GiroPay 2 % fällig. Die Gebühren bewegen sich im Vergleich mit anderen Exchanges im gehobenen Mittelfeld.

Die Kosten im Überblick:
  • Erstellung des Accounts: kostenlos
  • SEPA-Überweisung: kostenlos
  • Käufe: 1,49 %
  • Verkäufe: 1,29 %
  • Kreditkarte; 1,5 %
  • SOFORT Überweisung: 2,0 %
  • Giropay: 2,0 %

Zahlungsarten: Kreditkarte, Kryptos, SEPA-Überweisung, Skrill, Giropay, SOFORT Überweisung, ideal, Apple Pay, Samsung Pay, Google Pay

Menge: Knapper Durchschnitt

Ein kleines Minus gibt es bei der Anzahl an gehandelten Währungen. Zur Erinnerung: Ein Pluspunkt geben wir Börsen, die viele unterschiedliche Coins handeln, weil Du so in die Lage versetzt wirst, Dein Portfolio besonders fein zu steuern; je mehr Angebot, desto besser die Diversifikation. Zum Vergleich: Diese Börsen liegen im Vergleich vorne oder gleichauf: Binance bietet über 600, Coinbase ca. 190 und crypto.com 250 Währungen an. Bitpanda belegt, zumindest bei den beliebten Handelsplätzen, mit 209 Kryptowährung einen der mittleren Plätze. Allerdings sind solche Beobachtungen Momentaufnahmen, da die Börsen ihre Krypto-Portfolios schnell aufstocken können.

Webseite: Geordnet, übersichtlich, strukturiert

Zunächst ein Lob an diejenigen, die die Webseite strukturiert haben: einfacher geht es nicht. Die User Experience, also die Bedienung der Seite ist intuitiv, die Untermenüs werden mit einem kurzen Satz angefeatured, sodass auch Anfänger sofort wissen, welche Funktion oder welches Angebot sich auf der Inhaltsseite befinden. Neben dem Deutschen bietet der Seitenbetreiber fünf weitere Sprachen an.

Auf alle sechs Assetklassen (Kryptos, Aktien, ETFs, Rohstoffe, Krypto Indizes und Edelmetalle) hast Du auf der Startseite geordneten Zugriff. Ebenso gut gegliedert sind die Bereiche Features (Funktionalitäten, die Bitpanda über seine Seite anbietet) und Bildung (Lernbereich zum Thema Anlegen). Der letztgenannte Bereich ist in Lektionen für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten unterteilt, weitere Informationen halten der Blog und die News bereit.

Auch die Features sind übersichtlich angeordnet (siehe dort). Aber nicht nur die Inhalte der Webseite, auch der Registrierungs- und Kaufprozess sind bewusst einfach gehalten.

Funktionen: Eines der größten Angebote etablierter Börsen

Das Unternehmen hält ein außergewöhnlich breites Angebot unterschiedlicher Funktionalitäten auf der Webseite bereit. Eine eigene Kreditkarte (Pandacart) ist ebenso erhältlich wie Cashback-Aktionen oder Affiliate-Programme. Die wichtigsten Punkte im Einzelnen:

Bitpanda Wallet:
Die Brieftasche, die Bitpanda anbietet, ist einfach konzipiert und für die Verwaltung der Coins simpel zu benutzen.

Bitpanda Pro Börse:
Die Exchange ist auf der Hauptseite von Bitpanda eingebunden, richtet sich aber an Fachleute bzw. institutionelle Anleger. Die Gebühren liegen unter denen des sonstigen Angebots, die Börse verfügt über ein Orderbuch.

Bitpanda Kreditkarte:
In Zusammenarbeit mit Visa hat Bitpanda eine Debitkarte (BITPANDA CARD) entwickelt. Für die Nutzung der Karte fallen weder Kartengebühren noch monatliche Kontogebühren an. Der Cashback (0,5% bis 2% pro Transaktion) wird in Krypto ausgezahlt. Interessant ist, dass die Karte nicht nur  Fiatmoney, sondern auch andere Guthaben wie Edelmetall berücksichtigt.

Bitpanda Sparplan:
Der Sparplan funktioniert automatisiert, d.h. er kauft voreingestellt die gewünschten Assets und bucht dann die entsprechenden Beträge ab. Durch diesen Automatismus wird die Volatilität ein wenig gemildert. Allerdings solltest Du Deine Assets und deren Indizes genau im Auge behalten und Dich nicht allein auf den Sparplan verlassen.

Bitpanda Crypto Index:
Eng verwandt mit einem Sparplan ist der Crypto Index. Der Index besteht aus einem Portfolio aus diversen Kryptowährungen, in das automatisch zu vorgegebenen Zeiten investiert wird. Ein Algorithmus balanciert den Index regelmäßig neu aus.

Bitpanda Swap:
Unter Swap versteht Bitpanda den Wechsel von einem digitalen Asset zu einem anderen. Du kannst also beispielsweise Ethereum gegen Bitcoin tauschen und umgekehrt.

Bitpanda Pay:
Dieser Service soll laut Bitpanda die alte mit der neuen Finanzwelt verbinden. Hinter Bitpanda Pay stehen also gewöhnliche Kontofunktionen. Sie ermöglichen Dir beispielsweise Deine Miete oder Deine Rechnungen aus Deinem Bitpanda-Account zu bezahlen.

Best Rewards:
BEST ist der Bitpanda-eigene Coin, der im Ökosystem des Unternehmens u.a. für Belohnungen verwendet wird, vorausgesetzt, der Besitzer tradet regelmäßig mit BEST. Wenn Du zehn BEST hälst und einmal pro Woche tradest, erhältst Du einen BEST Rewards in Höhe von 0,10%. Der Coin basiert auf der Ethereum-Blockchain.

Staking:
Aktuell (Oktober 2022) lassen sich 15 Coins auswählen, die Bitpanda zum Staking anbietet. Nach eigenen Angaben erweitert das Unternehmen dieses Angebot stetig.

Affiliate-/Tell-a-Friend Programme:
Weitere Möglichkeit für passive Einkommen bieten diese beiden Programme. Als Affiliate bezeichnet man Unternehmen, die über
ihre Webseite Neukunden, in diesem Fall für
Bitpanda, werben und dafür Provisionen erhalten. Bei Tell-a-Friend-Programmen erhält ein Nutzer eine Vergütung, wenn er einen neuen Kunden anwirbt.

Service: freundlich, kenntnisreich, deutsch

Da im Gegensatz zu vielen anderen Exchanges Bitpanda aus Österreich stammt, ist sowohl die Webseite auf Deutsch als auch der Service, hier Helpdesk genannt. Wer hier anfragt, zieht zunächst ein Ticket. Die Wartezeiten richten sich durchaus danach, in welcher Phase sich der Markt gerade befindet, heißt, in Boomzeiten darf der User auch schon mal etwas länger auf die Reaktion des Supports warten. Die Servicemitarbeiter sind durch die Bank gut geschult, freundlich und bestrebt, das Problem des Kunden zu lösen. In vielen Fällen ist das aber nicht notwendig, denn Bitpanda bietet eine Reihe von FAQs, Leitfäden und Lehrvideos an, die weiterhelfen.

Sicherheit: Es kommt auf den Kunden an

Einen dicken Pluspunkt erhält Bitpanda beim Thema Sicherheit, aber nicht, weil der Broker bei diesem Thema dem Wettbewerb meilenweit voraus währe. Das Unternehmen überlässt vielmehr dem Kunden die Beantwortung der Frage, welche Sicherheitsmerkmale er aktivieren möchte und welche nicht. Nimmt er alle Sicherheitsmaßnahmen in Anspruch, darf die Plattform als sehr sicher gelten.

Für den Anmeldeprozess gelten die üblichen standardisierten Regeln: Der Kunde erhält im Double-Opt-in-Verfahren einen Registrierungslink, richtet sein Passwort ein und verifiziert das Konto per Post- oder Videoidentverfahren. Für die Transaktionen und zur Benutzung der Wallet gilt eine Multi-Signatur-Funktionalität, bei denen zwei oder mehrere Private Keys verwendet werden. Dieses Angebot richtet sich an Gruppen, deren Mitglieder sich nicht kennen, die aber gemeinsam die Assets verwalten wollen.

Die angebotene (kostenlose) Hot Wallet ist jedoch permanent mit dem Internet verbunden; ihr sollten keine großen Summen anvertraut, bzw. eine ergänzende Cold Wallet dazu genommen werden. Außerdem sind die Seiten durch ein SSL-Zertifikat und per Cloudflare gegen DDOS geschützt. Ein Wort zu den gültigen Lizenzen: Bitpanda verfügt über eine Lizenz der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA), die den europäischen Bestimmungen (PSD2) entsprechen.

Bewertung: Größtenteils positiv

Wie an dieser Stelle schon häufiger beschrieben, sind die Bewertungen der Exchange wie die jeder anderen Börse auch mit Vorsicht zu genießen. Zwar erhält Bitpanda durch die Bank eher positive als negative Rezensionen, bei denen häufig der freundliche, kundige Service sowie die nutzerfreundliche Handhabung gelobt werden, aber um die Höhe der Gebühren beurteilen zu können, müssen beispielsweise nicht nur die Konkurrenzangebote gesichtet, sondern auch der Service, der Support und andere Leistungen in die Rechnung mit einbezogen werden.

Das bedeutet einigen Rechercheaufwand. Wer Bitpanda  aufgrund einer negativen Erfahrung ein schlechtes Zeugnis ausstellen möchte, hat sicherlich die Berechtigung, seinem Ärger Luft zu machen, allerdings sollten User keine Entscheidung von solchen Bewertungen abhängig machen.

Fazit: Viele Pluspunkte, aber ein paar kleine Flecken auf der weißen Weste

Wir ziehen eine Reihe verschiedener Aspekte zur Beurteilung von Börsen heran, aber ein Faktor steht immer oben an: wie gut passt die Börse zu einem Anfänger oder einem Kunden mit geringen Kenntnissen? Dazu schauen wir uns die User Experience an, die Usabillity eines Unternehmens und seiner Webseite/App, aber auch die Transparenz beim Thema Gebühren. Hat Bitpanda bei der ersten Thematik ganze Arbeit geleistet, so sind die Fees in den Kauf/-Verkaufprozess eingerechnet, was dem Panda bei der Offenheit Abzüge einbringt.

Pro

  • Viele sinnvolle Funktionen
  • Übersichtliche Webseite
  • Einfacher Anmeldeprozess
  • Guter Support
  • Sicherheit lässt sich nach Kundenbedürfnis einstellen

Con

  • Intransparente Gebühren
  • Gebühren etwas über dem Durchschnitt
  • Weniger Kryptos im Angebot als der Wettbewerb